Hans-Jürgen Breuste, Hannover
  Modelle für Polumo“
 
(mexikanisch für Wolke, Staub, „dicke Luft“)


Ensemble von Stahlplastiken
Aufstellung auf dem Gelände des Kreishauses 1991
Geschenk der Niedersächsischen Sparkassenstiftung an den Landkreis Peine anlässlich des Erweiterungsbaus des Kreishauses und der Eröffnung des Kreismuseums, 1988/89
Geschenk der Modelle von der Kreisparkasse Peine, 2003

Der Titel „Polumo“ erinnert an die berühmte braune Wolke, die vor der Umrüstung des Stahlwerks auf Elektrobetrieb über  Peine hing. Der weit über die Grenzen Niedersachsens berühmte Bildhauer Breuste setzt hier dem Werkstoff Stahl ein Denkmal, aber auch dem ehemaligen Stahlstandort Peine und seinen Arbeitern. Peine pflegte lange den Slogan „Stahlstadt im Wandel“.
Die vier Stahlskulpturen setzen sich zusammen aus unbrauchbar gewordenen Teilen, vor allem aus den berühmten Peiner Trägern, die Breuste ausschließlich in den Stahlwerken Peine und Salzgitter fand, „Museumsstücken“ also. Die Kokillen, worin man Stahl gießt, wird in ein paar Jahren niemand mehr kennen, ebenso wenig wie die Rüttelsiebe (Gitter).
Grundsätzlich beschäftigt sich Breuste, Jg. 1930, in seiner Arbeit mit Fundstücken, die er in andere Zusammenhänge stellt. Jedes Teil hat seine Geschichte, die Herkunft des Materials gehört zur Aussage. Diese Art der assoziativen Zusammenstellung nennt man mit kunstgeschichtlichem Fachbegriff „Assemblage“ (Versammlung). Breuste ist Sammler. Er bewahrt, was andere weggeworfen haben, nicht erst, seit es Diskussionen über die Wegwerfgesellschaft gibt. Der Stahl darf rosten, d.h. sich durch die aggressive Luftverschmutzung verändern, lebendig sein.
Breuste hat nichts dagegen, wenn der Betrachter gegenständliche Assoziationen in seine Objekte hinein interpretiert, wenn er sie benötigt, um dem Werk näher zu kommen.
Die Plastiken reizten bei der Aufstellung zum Widerspruch und waren von 1991-93 Stadtgespräch. Mit z.T. erbitterten und polemischen Wortgefechten in den Zeitungen diskutierten die Peiner das Geschenk. Bronzene Schweinchen, Ziegen oder Ritter hätten das nicht vermocht.Nach mittlerweile 10 Jahren gehört die einzigartige Skulpturengruppe zu den herausragenden weichen Peiner Standortfaktoren, mit denen in Broschüren für die Wirtschaftsansiedlung gern geworben wird.
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„Torbogen“
Standort: vor dem Kreismuseum, Stederdorfer Str. 17
Er betont den Eingang des Museums, den der Besucher im verwirrenden Kreishauskomplex sonst nicht finden könnte und retuschiert den Mangel, dass das Museum nicht durch die schöne Haustür des Glück-auf-Hauses betreten werden kann.
Einem „Museum der Alltagskultur“ steht eine Skulptur, deren Einzelteile aus dem Umfeld der Peiner und Salzgitteraner Walzwerker kommen, gut zu Gesicht. Die Museumsleitung sieht die Skulptur gern als „Triumpfbogen“, durch den die Peiner im Triumpf in ihr Museum einziehen, dass aber auch von Kindern gern als Turngerät benutzt wird. Schließlich erinnert die Konstruktion an ein überdimensionales Reck.
„Regal“
Standort: auf dem Parkplatz hinter der Bäckerei Pape, am Ende der Stützwand zwischen Parkplatz und Schlosswall
Die Skulptur erinnert an eine Art überdimensionales Regal, in das viele kleine Einzelteile aus Stahl geschichtet sind: eine Anspielung auf die mit Taschen bepackten Menschen, die vom Einkauf zurückkehren und ihre Einkäufe im Regal deponieren könnten. Durch die verformten und schiefen Teile bekommt das Regal und sein Inhalt paradoxerweise etwas Weiches und Schlaffes. Assoziationen an Taschen und Kissen werden wach. Kritiker fanden, dass die Skulptur zu sehr auf den Parkplatz „gequetscht“ und dadurch ohnehin knapper Parkraum beschnitten worden sei. Breuste hat diesen Standort  jedoch selbst als sehr passend empfunden, da hier die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit den Peiner Menschen besonders leicht fielen.
„Teppichstange“
Standort: auf dem Parkplatz in der Nähe der Telefonzellen am Aufgang Schlosswall
Die überdimensionale „Teppichstange“ wird durch 3 Peiner Träger gebildet. Als „Teppich“ rollt sich ein riesiges verbogenes Plattenteil über das Reck, gehalten von einem Rüttelsieb-Gitter. Die Skulptur an dieser Stelle interpretiert die städtebaulichen Probleme im südlichen Bereich des Parkplatzes. Sie tritt in einen geschickten Dialog mit der pittoresken Baulücke, deren Stufungen und Auswüchsen, die von einzelnen Teilen in der Skulptur aufgenommen werden.
„Sandwich“
Standort: auf dem Rasen vor dem 50er-Jahre-Bau des Kreishauses
Die Skulptur unter dem Balkon des Landrates erinnert an ein überdimensionales Sandwich, dessen Scheiben sich bereits nach oben biegen, verformt vom langen Liegen. Auf den ersten Blick verweigert die Plastik durch die abweisenden Platten eine Annäherung, doch schaut man um die Ecke, öffnet sich ein spannendes Innenleben, ein Vor und Zurück von Geraden und Senkrechten, die nicht auf den ersten Blick fassbar sind
Man denkt an einen abgegrenzten, etwas unheimlichen Raum, eine Werkshalle etwa, in dem große Dinge wie Stahlstempel geschützt gelagert sind. Der Raum gibt aber nicht wirklich Schutz, denn er hat kein Dach und ist außerdem kreuzweise verrammelt wie ein abbruchreifes Haus. So ähnlich stellt sich jetzt die Situation auf der Ilseder Hütte dar.

Dr. Ulrika Evers