Dorothea Chabert - Keramik


Man muß demütig vor dem Stoff sein, gehorsam, Stoff ist Natur - und alle Natur ist fromm. Da der Künstler vor der Natur in der Minderheit ist, hat er die besten Aussichten, wenn er gehorsam ist."

(Marc Chagall)

Mache ich mich auf den Weg in die Natur, um auf Feldern und Äckern, im Wald,
an Ufern und Flußbetten meine Rohstoffe zu finden, so bin ich an schier unerschöpflichen Quellen. Ich sollte immer ein kleines Säckchen in der Tasche haben, um von unterwegs eine Bodenprobe nach Hause tragen zukönnen. Aufbereitet im Labor durch Trocknen, Schlämmen, Sieben und Schmelzen zeigt das Gefundene erste Eigenschaften. Direkt daraus entwickelt sich die Thematik, indem ich der richtigen Rezeptur nachgehe und die Glasur Gestalt annimmt. Sie formt auf ihre typische Art und Weise die Gefäße im Feuer.

Der Acker, der Lehm, die Erde - simpel und ärmlich, scheinbar gering - bergen das Geheimnis der Schöpfung - die Schönheit des Motivs! Im Studium eröffnet sich dem Geologen wie dem Künstler ein wenig die Tür. Mit ihrer Fülle lehrt mich die Natur behutsam, in Zurückhaltung meine Arbeit zu tun. Die Gefäße kommen aus dem Feuer, und ist es ein guter Brand gewesen, so bin ich beschenkt worden.

Die schlichten und zugleich reichen Formen, in sanfte, heitere, auch deftige Glasuren gehüllt, zeigen die ganze Sinnlichkeit der Keramik. Sie ist haptisch und verlockt, in die Hand genommen zu werden, vollreif und mundend.
So wollte ich es - ein Fest für Augen und Hände.

Dorothea Chabert, Schloß Wolfsburg, im Sommer 1994