Eine große und wichtige Arbeit stellt das Diptychon mit dem Bibelspruch I. Könige 8,12 dar: „Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen.“ Mehr als zehn Jahre hat sich Ute Gärtner-Schüler mit diesen Bildern beschäftigt, viele Spuren ihres Lebens in den ständigen Übermalungen und Materialschichten hinterlassen, die auch beim Betrachter reiche Assoziationen hervorrufen.
Immer wieder drehen sich die Gedanken der sehr religiös erzogenen Künstlerin um Religion und was sie uns Menschen heute noch bedeuten kann. Gerade Künstler hinterfragen sehr oft vor allem kritisch den Sinn der Religionen, wenden sich auch gern von ihrem eigenen, in diesen Breiten meist christlichen Kulturkreis ab und schwärmen plötzlich z.B. für den Buddhismus. Aber warum? Warum wechseln? Damit entfernt man sich von seinen Wurzeln, von seiner Prägung, die die wenigsten von uns wirklich leugnen können.
Es gibt in dem Bild übermalte Straßen, auf dem Ute Gärtner-Schüler damals, als man die Straßen noch genau erkennen konnte, kleine Autos fahren ließ, dann als nicht mehr wichtig übermalte, Knöpfe als Erinnerung an Familienwäsche, ein winziges Häuschen, in dem „der liebe Gott“ der Kindheit versteckt ist, usw. Gardinen sind eingearbeitet, die vor Blicken schützen sollen, verdecken, hinter der versteckt man aber auch auf die Außenwelt spicken kann.
Die Gardine entspricht der Übermalung, den Schichten des Lebens, die ein jeder Mensch im Laufe seines Lebens ansammelt, oft jahrlang vergessen und manchmal durch einen winzigen Akkord oder eine Assoziation plötzlich wieder präsent.