Wer Augen hat zu sehen und dazu Vorstellungskraft und Fantasie, dem erzählen die Bilder Geschichten, obwohl Ulrich Lipp auf Titel vollständig verzichtet. Geschichten von loderndem Feuer und lodernder Liebe, von Begehren und Auflehnung, von Helligkeit, auf die Schatten folgt, von Waldlichtungen, Kornfeldern, Feldrainen, von Gras, Wasserlilien, einem Mohnfeld mitten im dunkelgrünen Wald, von rot dräuendem Himmel, leuchtend goldenen Sonnenstrahlen, die durch das Gewirr dunkelgrüner Zweige schimmern. Bilder, in deren Anblick versunken wir uns wegträumen dürfen in angenehme Seelenzustände.
Die Psychologie der Farbe spielt bei Ulrich Lipp eine wichtige Rolle, die auf die Befindlichkeit des Betrachters trifft. Farben sind aber immer zwiespältig zu sehen, denn das, was der Betrachter mit einer Farbe verbindet, kann sehr unterschiedlich sein. Wenn Rot meine Lieblingsfarbe ist, nehmen mich seine roten Bilder gefangen. Rot als Synonym von Blut und Lebenskraft, Liebe und Sexualität, Dynamik, Energie, Aktivität, Impulsivität, Wärme und göttlichem Feuer. Rot als Farbe aller Leidenschaften, aller Gefühle, die das Blut in Wallung bringen. Rot gibt Kraft, Stärke. Wenn Rot jedoch für den Betrachter Schmerz, Leid, Wut, Zorn oder sogar Hass bedeutet, wenn der Betrachter „rot sieht“, wird er mit Rückzug reagieren und die roten Bilder als zu bedrängend empfinden. Immer wird der Mensch so zwiespältig auf eine Farbe reagieren, denn immer kommt es auf den Zusammenhang, den Hintergrund, die Kombination der Farben an.